Sergiu Celibidache

 

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Sergiu Celibidache
...im Spiegel der Presse

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Laudation zum 75. Geburtstag des Maestro

Der Maestro
Celibidache wird fünfundsiebzig

Kein Mangel an Ehrungen für Sergiu Celibidache, der am Sonntag fünfundsiebzig wird. Festakt in der Philharmonie am Gasteig, Verleihung der Goldenen Ehrenmünze der Stadt München, Überreichung des Ehrenringes der Philharmoniker, Zuerkennung der Ehrenmitgliedschaft des Philharmonischen Chores, und auch der Münchner Kulturreferent, angetreten zur offiziellen Geburtstagsparade, einer, der in seinem Umgang mit dem städtischen GMD seine sehr eigenen Erfahrungen gemacht hat, hat es noch einmal bekräftigt: „Celibidache ist ein Glücksfall für München“.

Münchens Glücksfall ist Stuttgarts Verlust, denn kein Zweifel: unser hiesiges Musikpublikum hat den Weggang "Celis“ bis auf den heutigen Tag nicht verwunden, schwärmt noch immer von den Konzerten Celibidaches mit dem Radio Sinfonieorchester Stuttgart, wie sich die aussterbende Generation der Berliner Konzertsenioren an die Abende mit Furtwängler in der Alten Philharmonie an der Bernburger Straße erinnert.

Eine Wunde ist geblieben, einen Dirigenten mit seinem Charisma hat Stuttgart nach Celibidaches Übersiedelung an die lsar nicht wieder an sich binden können. Sie sind ja in der Tat rar genug, und wir müssen uns als Stadt wohl damit abfinden, für die ganz Großen immer nur Sprungbrett sein zu können für die glamouröseren Positionen in den Metropolen, zu denen Stuttgart nun einmal nicht gehört.

Immerhin ist erstaunlich, in welch relativ kurzer Zeit es Celibidache gelungen ist, die Münchner Philharmoniker von einem geachteten Platz in der Zweiten Liga der deutschen Orchester in deren Spitzengruppe zu lancieren, auch wenn sie noch eine gute Wegstrecke von der "Weltspitze" entfernt sind, von der in München ein bisschen allzu viel die Rede ist. Man höre sich nur einmal im Ausland um, wo die Rangliste der deutschen Orchester noch immer von den Berliner Philharmonikern, der Dresdner Staatskapelle und dem Leipziger Gewandhausorchester angeführt wird.

In gewissem Sinn ist Celibidaches Münchner Erfolg, abgetrotzt einer bayerisch - dickschädeligen Bürokratie und nicht zuletzt einer ihm zunehmende Pein verursachenden körperlichen Hinfälligkeit, die späte Kompensation für ein ihm in frühen Tagen zugefügtes, von ihm jedenfalls immer so empfundenes Unrecht. Gemeint ist natürlich die Nichtberufung in die Chefposition der Berliner Philharmoniker. Auf sie glaubte er um so mehr einen Anspruch zu haben, als er in den schwierigen Nachkriegsjahren des Wiederaufbaus gleichsam als Furtwänglers Statthalter gewirkt hatte in der Erwartung, dass das Orchester ihn nach Furtwänglers Tod zu dessen Nachfolger bestallen würde. Alle weiteren Abschnitte der Dirigentenkarriere Celibidaches, England, Frankreich, Schweden, Italien, Spanien, Süd  und Mittelamerika und schließlich auch Stuttgart, waren im Rückblick nur Durchgangsstationen auf einer Wanderschaft, die ihn als einen Fliegenden Holländer der Konzertsäle erscheinen lässt. Ob er in der bayerischen Landeshauptstadt seine Senta gefunden hat?

Doch wie viel ärmer wäre nicht die deutsche Konzertszene, gäbe es Celibidache nicht, diesen gebürtigen Rumänen mit der deutschen Seele und dem französischen Klangsensorium. Es ist diese einmalige Alchemie dreier doch sehr unterschiedlicher Kulturen, die seinen Musizierstil prägt, durch den er sich mindestens so stark von seinen Kollegen quer durch die Generationen unterscheidet wie durch die von ihm gepflegte Attitüde eines philosophisch  physikalisch argumentierenden Mystagogen (gar nicht zu reden von seiner Verteufelung der reproduzierten Musik). An ihm wenigstens ab und zu teilzuhaben, sei es als Dirigent der gastierenden Münchner Philharmoniker, sei es noch lieber – als Gastdirigent unserer Radiosinfoniker, ist einer der Wünsche, in dem sich alle Stuttgarter Musikfreunde ausnahmslos einig sein dürften.

Horst Koegler – Stuttgarter Zeitung